PensExpert stellt sich für die Zukunft auf

Vorsorgereform
Am 1. Januar 2021 übernimmt Rafael Lötscher die Geschäftsführung der PensExpert AG. Jörg Odermatt, Mitgründer und CEO seit 2000, zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück. Wie kam es dazu? Wer ist Rafael Lötscher? Und welche Zukunftsaufgaben packt PensExpert an? Wir sprachen darüber mit dem alten und dem neuen CEO.
Lesedauer: 10 Minuten
Geschrieben von
Jacqueline Müller
Marketing & Kommunikation

20 Jahre PensExpert – Jörg Odermatt: Was hat Sie bewogen, die Geschäftsführung gerade jetzt abzugeben? 

JO Nach 20 Jahren macht es Sinn, dass jemand Neuer auf die Brücke kommt. Die Rekrutierung meines Nachfolgers war im Verwaltungsrat schon länger ein Thema. Gleichzeitig wollten wir im Rahmen der Organisationsentwicklung die Geschäftsleitung verbreitern und verstärken. Also haben wir uns auch extern umgeschaut. Mit Rafael Lötscher haben wir eine Persönlichkeit gefunden, die alle wichtigen Fähigkeiten mit sich bringt. Als klar wurde, wie schnell und wie gut er sich bei PensExpert eingelebt hatte, gab’s nur eins: umsetzen. Wir starten das neue Jahr mit einer neuen Führungsriege und einem neuen CEO. 


Rafael Lötscher: Wer sind Sie? Woher kommen Sie? 

RL Ich komme eigentlich aus der Treuhand-Szene. Über viele Jahre hinweg durfte ich den Kompetenzbereich «Sozialversicherungen und Vorsorge» leiten. Dabei kam ich bereits vor vielen Jahren im Bereich BVG mit der PensExpert in Kontakt. Bei der Zusammenarbeit war ich von diesen Vorsorge-Cracks beeindruckt, auch menschlich.


Sie haben sich nicht um die Position beworben, sondern wurden auserkoren? 

RL Das Angebot kam von Jörg Odermatt – und es kam sehr überraschend. Es brauchte schon etwas Überzeugungsarbeit von seiner Seite. In diesen Gesprächen spürte ich eine grosse Offenheit und den Willen, das, was auf uns alle zukommt, ernsthaft anzupacken. Da hat’s mich dann echt gepackt. 

JO Pensionskassen-Experten haben wir bei uns genug. Wir suchten bewusst jemanden, der von aussen kommt und einen anderen Blickwinkel und andere Stärken mitbringt. Rafael Lötscher hatte den Vorteil, dass wir ihn an unseren Geschäftspartner- Anlässen bereits live als Gastredner erlebt hatten. Seine Fachkompetenz, seine Ausstrahlung und die Sicherheit, mit der er auftritt: All das war bereits bestätigt.


«Im 1e-Bereich wollen wir ganz klar 1a sein und in der Bel-Etage der Bel-Etage Vorsorge führend bleiben.»

Rafael Lötscher


Können Sie Ihr zukünftiges Zusammenspiel näher erläutern? 

JO Geplant ist, dass ich im Frühjahr 2021 das Verwaltungsratspräsidium der PensExpert AG übernehme. Bis dahin werde ich die neue Geschäftsführung quasi im Seitenwagen noch operativ begleiten. So kann sich diese auf wichtige Baustellen konzentrieren, Stichwort: Digitalisierung. 

RL Töff mit Seitenwagen – das ist ein gutes Bild. Einer der Gründe, warum Jörg Odermatt mich überzeugen konnte, war: Ich wusste, dass ich ihn nicht zu ersetzen habe sondern die PensExpert ergänzen kann. Er konnte mir plausibel darlegen, warum er jemanden von aussen auf die neuen Aufgaben ansetzen will. Wir werden ein gutes Gespann sein. 


Seit Juni 2020 ist Rafael Lötscher bei der PensExpert. Jörg Odermatt, wie haben Sie ihn in den letzten 6 Monaten erlebt?

JO Dynamisch. Interessiert. Und bereits mitten im Machen, mitten am Umsetzen. Er ist keiner, der gerne in der Warteschleife hängt. Er sieht eine Aufgabe, eine Herausforderung und will gleich anpacken und umsetzen. Das zeichnet den Unternehmer aus. 


Und Sie, Rafael Lötscher: Wie haben Sie sich bei PensExpert eingelebt? 

RL Meine Erwartungen und Einschätzungen haben sich bestätigt. Meine Kolleginnen und Kollegen bei PensExpert sind fachlich absolute Topleute. Als Pioniere der individuellen Vorsorge haben sie etwas Einzigartiges aufgebaut. Wenn ich in meiner Zeit als Treuhänder bereits all die Vorsorge-Möglichkeiten gekannt hätte, die ich in der kurzen Zeit bei PensExpert kennen gelernt habe, dann hätte ich viele Beratungen noch umfassender gelöst. 


Was sind die vordringlichsten Aufgaben, die Sie anpacken wollen?

RL Wir befinden uns mitten in einem Wandel, den Jörg Odermatt bereits angeschoben hat. Die Hauptaufgabe heisst: Digitalisierung. Nicht das Kreieren digitaler Produkte, sondern die digitale Optimierung unserer Prozesse. Mit unseren fünf Stiftungen haben wir über die Jahre gute Pflanzen gesetzt, die unterschiedlich schnell gewachsen sind. Jetzt geht es ums Umtopfen, d.h. alle Stiftungen auf ein einheitliches digitales Niveau zu hieven, um weiter wachsen zu können. Die andere grosse Aufgabe ist das «Markending», also das Marketing. Unser Wissen zugänglich machen, erklären, was wir können und was in der Vorsorge alles möglich ist. Wir wollen noch präsenter werden und unsere enorme Vorsorgeerfahrung sicht- und hörbar machen. 


Blick zurück: Jörg Odermatt, Sie haben die PensExpert AG mitgegründet. Was war in diesen 20 Jahren Ihr grösster Erfolg? 

JO Wenn man das als Erfolg bezeichnen darf, dann sicher die Tatsache, dass wir im Bel-Etage Geschäft mit freier Anlagestrategiewahl, die Führungsrolle so lange behalten konnten. Bis anfangs 2018 hat sich keiner der grossen Versicherungs- oder Banken-Konzerne in diesen Markt richtig vorgewagt. Das war für mich die grösste Überraschung und hätte ich so nie erwartet. Das zeigt mir: Man kann als Unternehmen trotz grosser Konkurrenz mit einer klaren Differenzierung Erfolg haben. Und das gelingt dann am besten, wenn das Umfeld schwierig ist. Wenn du siehst: «Eigentlich geht das nicht» – dann ist das der Moment, wo es gilt, sich vertieft mit einem Thema zu beschäftigen. Und wenn es dann gelingt, dann hast du einen grossen Vorsprung auf die Konkurrenz. Genauso war es bei uns. Wir hatten eine klare Idee, sahen den Pfad und blieben hartnäckig am Ball. Unsere Hartnäckigkeit war bei der freien Anlagestrategiewahl matchentscheidend. 


Ist Hartnäckigkeit bloss eine persönliche Qualität von Jörg Odermatt oder ein Markenzeichen von PensExpert? 

RL Hartnäckigkeit ist wirklich ein Kernelement der Firma, bei vielen Mitarbeitenden und in zahlreichen Bereichen. Das beharrliche Suchen nach der guten Lösung. Wir leben nach dem Prinzip: «Geht nicht gibt’s nicht.» 

JO Entscheidend ist für uns immer die Frage: Gibt es einen echten Kundenbedarf ? Wenn wir davon überzeugt sind, aber es gibt noch keine Lösung und regulatorisch eine Herausforderung, dann ist unsere Arbeit angesagt. 


«Viele Innovationen entstehen bei Kundengesprächen. Darauf freue ich mich.»

Jörg Odermatt


Laut dem Sorgenbarometer der CreditSuisse betrachten die Jugendlichen die Altersvorsorge mit Abstand als wichtigstes Problem. Und in der von PensExpert in Auftrag gegebenen Vorsorge-Studie zum digitalen Wandel kommt die Universität St. Gallen zur Erkenntnis, dass die sich rasch wandelnde Arbeitswelt neue und stärker individualisierte Vorsorgeformen brauche. Bewegt sich die Vorsorge in der Schweiz in diese Richtung? 

JO Leider kaum. Ich bin glücklich, dass die jungen Politiker jetzt an die Öffentlichkeit gehen und ihre Forderungen für die Vorsorgewelt der Zukunft publik machen. Natürlich hat auch die Ungerechtigkeit der Umverteilung die Diskussion bei den Jungen angeheizt. Tatsache ist: Wir stecken in einem Dilemma. Die Arbeitswelt verändert sich, wird flexibler, globaler. Berufsbilder und Bedürfnisse ändern sich. Was tut das Bundesamt für Sozialversicherung? Es versucht, die alten Strukturen mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten. Was tut die Politik? Sie diskutiert «Miniatur- Geschichten» und kommt auch bei der Erhöhung des AHV-Alters nicht vom Fleck. Wir müssen zeitgerechter unterwegs sein und die Pfeiler neu setzen. Weg von der Altersvorsorge hin zur Lebensphasen-Vorsorge. PensExpert hat einige interessante Ideen im Köcher wie z.B. das Lebensphasen- Modell «Zeitwertkonto»: ein Instrument der modernen und flexiblen Gestaltung der Lebensarbeitszeit. Beim Zeitwertkonto wird das Entgelt für Arbeitsleistungen und Überstunden in Zeit umgewandelt, als Wertguthaben gesammelt und flexibel für eine Weiterbildung, die Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen oder die vorzeitige Pensionierung genutzt. 


Pioniergeist, Hartnäckigkeit und Macherqualitäten: Welcher Wert wird in den kommenden zwei Jahren für Sie der wichtigste sein? 

RL Wir wollen im 1e-Bereich ganz klar 1a sein und in der Bel-Etage der Bel-Etage Vorsorge führend bleiben. In nächster Zeit sind unsere Macherqualitäten gefragt. Persönliche Beratung ist das A und O und zeichnet uns aus. Wir wollen in der digital begleiteten persönlichen Beratung noch zulegen. 


«Wir wollen unser Vorsorgewissen zugänglicher machen.»

Rafael Lötscher


Und was steht für Sie an, Jörg Odermatt, wenn Sie in Zukunft nicht mehr so ausgeprägt als Macher tätig sein können? 

JO Ich freue mich, meine langjährigen Kunden weiterhin betreuen zu dürfen. Als Verwaltungsratspräsident werde ich mich auf das Innovationscoaching und den Ausbau des politischen Netzwerks fokussieren. Parallel dazu werde ich in den kommenden Jahren das Deutschlandgeschäft begleiten. Im Bereich grenzüberschreitender Vorsorgelösungen gibt es einen Riesenbedarf, um den sich niemand kümmert. Also ein klarer Fall für PensExpert.


Jörg Odermatt: Was möchten Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben? 

JO Gesundheit ist die Voraussetzung für alles. Also: Bleib gesund Rafael! Dann wirst Du Deine Ziele mit Deiner Hartnäckigkeit und Macherqualität auch realisieren. 


Rafael Lötscher: Worauf freuen Sie sich am meisten? 

RL Auf die Zusammenarbeit mit vielen neuen Menschen – Kundinnen und Kunden, Partnern und Mitarbeitenden. Ich fühle mich geehrt und angespornt, von Jörg den Stab zu übernehmen, den PensExpert Pioniergeist weiterzutragen und mit der Unterstützung des gesamten Teams weitere Innovationen für unsere Kunden zu entwickeln. Ich danke Ihnen für dieses Gespräch. 


Dieses Interview wurde geführt von Michael Egloff, Musqueteers. Texter und langjähriger Begleiter der PensExpert AG

Geschrieben von
Jacqueline Müller
Marketing & Kommunikation